PDF/VT Competence Center

Ein internationaler Standard für den Personalisierten Druck 

Im August 2010, nach dreijähriger internationaler Zusammenarbeit von führenden Unternehmen, hat die International Standards Organization PDF/VT – auch als ISO 16612-2 bekannt – veröffentlicht. PDF/VT baut auf dem PDF-Grafikmodell auf, das allgemein als das leistungsfähigste und stabilste anerkannt ist. PDF/VT wurde für die besonderen Workflow-Erfordernisse des Variablen Datendrucks (V) und des Transaktionsdrucks (T) optimiert. PDF/VT richtet sich an die Anforderungen des modernen Variablen Datendrucks (Variable Data Printing = VDP) und bringt alle Vorteile des PDF-Workflows in die Welt des Personalisierten Datendrucks. PDF/VT erfüllt die Erfordernisse der Industrie in Bezug auf vollständige Job-Übertragbarkeit, Seitenunabhängikeit und Geräteneutralität. Der neue Standard eröffnet dem Digitaldruck neue Möglichkeiten, da die Komplexität der VDP-Job-Erstellung von den besonderen Methoden der Druckproduktion abgekoppelt wird. Weil der Verarbeitungsprozess vereinfacht wird, bringt PDF/VT Vorteile für alle Beteiligten: Unternehmen, Anbieter, Grafiker und Druck-Profis.

Kontakte für weitere Informationen:

Subkomitee Marketing:

Mark Lewiecki mark.lewiecki@pdfa.org

Subkomitee Technik:

Olaf Drümmer olaf.druemmer@pdfa.org

Ursprünge des Personalisierten Drucks

Personalisierte Bescheide haben sich seit ihren Anfängen mit dem einfachen Druck von Rechnungen enorm weiterentwickelt. In den 1960er Jahren wurden Kontoauszüge mit einfarbig schwarzem Text auf Nadeldruckern ausgegeben und in großer Anzahl an die Kontoinhaber versandt. Der technologische Fortschritt führte in den folgenden Dekaden zu einer Explosion an Informationen, welche für die Anwender oft überwältigend und aufmerksamkeitsraubend waren. Verkäufer und Finanzdienstleister suchten nach neuen Wegen und Möglichkeiten.

Direktmarketing

1993, zum Beginn des Internet-Zeitalters, kamen die ersten Digitaldrucker auf den Markt. Sie waren in der Lage, mit jeder Trommelumdrehung ein anderes, neues Bild auszudrucken. Das Direktmarketing versprach, die Kunst der Werbung mit grafisch aufwendig gestaltetem, datengestütztem und zielgerichtetem Content zu revolutionieren. VDP bietet farbige Bilder und Grafiken und ermöglichte über die Jahre hinweg tausende erfolgreiche Kampagnen. Direct-Mail bewies, dass es möglich ist, den den ROI von Marketing Budgets zu messen und, durchaus auch dramatisch, zu steigern.

CRM & Transpromo

Inzwischen suchten Unternehmen nach Wegen, um Kundendaten zu nutzen, und – durch optimiertes CRM – die Kundenbeziehung zu verbessern. Monatliche Rechnungen wurden im wachsenden Netz der Medienkanäle als wichtige Kontaktmöglichkeit zum Kunden erkannt, die eine hohe Aufmerksamkeit und Marktbedeutung garantieren. Das „Transpromo“-Konzept versprach Rechnungen durch werbliche Up-Sell- und Cross-Sell-Botschaften weiter aufzuwerten, indem sie für den Empfänger personalisiert wurden. Auf Technologie-Seite verbesserten sich Qualität und Kosteneffizienz der Digitaldruckmaschinen fortwährend. Doch fast zwei Jahrzehnte nach der Einführung der ersten Digitaldruckmaschine sind nur 10 Prozent der digital gedruckten Farbseiten personalisiert 1). Die Versprechen von VDP und Transpromo haben sich noch nicht erfüllt.

Herausforderungen

Es ist zunehmend schwierig, die neuesten Erfordernisse des Personalisierten Drucks in Gänze mit herkömmlichen Lösungskonzepten zu erreichen. Die Print-Workflows aus dem nicht-personalisierten Bereich haben viele Aufgaben durch den Einsatz von PDF-Vorlagen in linearen PDF-Workflows vor Jahren gelöst (etwa basierend auf dem PDF/X-Standard). Doch hier liegt VDP zurück. Ein Teil des Problems liegt in der Aufgabe, die nicht-variablen (wiederkehrenden) Elemente in einem variablen Job zwischenzuspeichern, um eine redundante Verarbeitung zur Zeit des Drucks zu vermeiden, damit eine Digitaldruckmaschine mit der nominellen Geschwindigkeit angetrieben werden kann. Formate und Konzepte verschiedener Art, standardisiert oder proprietär, kamen auf, um dieser Anforderung zu begegnen. Jede Programmsprache ist spezialisiert, mit Stärken und Schwächen in Bezug auf verschiedenen Job-Arten und Workflows. Dennoch beruhen viele von ihnen auf PostScript, einem 27 Jahre alten Grafikmodell, das weder Transparenzen noch modernes Farbmanagement unterstützt. Diese spezialisierten VDP-Sprachen sind für jeden unverständlich, außer für die Experten. Ihre Dateien können nicht einfach so betrachtet, verteilt, geprooft, online eingereicht oder geprüft werden. Sie unterstützen nicht den “blind exchange”, das heißt, sie nicht nicht vollständig eigenständig (self-contained) und nicht unabhängig von einem bestimmten Ausgabegerät.

Zeitgemäße VDP Anforderungen

  • Printprodukte müssen heute mit modernen Multimedia-Webseiten konkurrieren, mit E-Mails, Video und Sozialen Netzwerken. Der Eindruck von variablem schwarzem Text auf eine vorkonfektionierte farbige Maske reicht nicht mehr aus. Variabler Text und/oder Grafiken und/oder Bilder müssen dem Publikumsprofil angepasst werden (zum Beispiel demografischer Hintergrund, Ort oder Kaufgeschichte), damit die Bedeutung für jeden einzelnen Empfänger maximiert wird. Personalisierte, grafisch ansprechende Printmedien in den Händen eines (zukünftigen) Kunden hinterlassen einen starken Eindruck, erzeugen eine spontane Verbindung und vertiefen die Kundenbindung (etwa über individuelle Kreisdiagramme, personalisierte Bilder, grafische Umsetzungen des Kundennamens etc.).
  • Aufsehenerregende Designs fesseln und überzeugen. Sie sind mit tieferem Verständnis und Rückhalt verbunden … und mit höheren Antwortquoten. Deshalb sollten Agenturen, Finanzdienstleister und Anbieter in die Lage versetzt werden, ihre Botschaften mit anspruchsvoller Verwendung von Farbe und aufwendigen grafischen Effekten, wie etwa Transparenz, zu vermitteln.
  • Designs müssen vor der Produktion geprüft und freigegeben werden, zum Teil auch in geografisch verteilten Arbeitsgruppen. Die endgültige Ausgabe muss den Proofs entsprechen, sowohl Softproofs am Monitor als auch Hardproofs auf dem Papier.
  • Jobs sollten online eingereicht werden, so einfach, wie das bei jeder anderen Art von Druckauftrag möglich ist.
  • Vor dem Beginn einer Druckproduktion sollten die Dateien einem elektronischen „Preflight“ unterzogen werden, um sie auf mögliche Probleme hin zu untersuchen. Es sollte möglich sein, kleinere Änderungen am Job auch in der letzten Minute durchzuführen oder sogar zu einem anderen Ausgabegerät zu wechseln, ohne „auf Start“ zurückgehen zu müssen.
  • Farbe muss berechenbar sein und zu vergleichbaren Ergebnissen führen, auch wenn verschiedene Druckgeräte für den selben Job verwendet werden.
  • Drucker müssen in der Lage sein, VDP-Produktionen zu automatisieren und die Durchführung sicher und flexibel zu verwalten.
  • Sachbearbeitern im Call-Center sollten eine verbindliche Darstellung des Druckerzeugnisses zur Ansicht zur Verfügung haben.

Vorteile von PDF/VT

  • PDF/VT ist portabel. Es stellt einen verlässlichen Container für den sicheren Austausch von gültigem, grafisch gestaltetem und variablem Content bereit.
  • PDF/VT nutzt in vollem Umfang das PDF-Grafikmodell für den Druck von grafisch anspruchsvollen und personalisierten Mitteilungen (etwa mit variablen Transparenzeffekten).
  • PDF/VT erlaubt das Zwischenspeichern von wiederkehrenden Elementen in VDP-Jobs.
  • PDF/VT kann mit Standard-Werkzeugen einem Preflight unterzogen werden.
  • PDF/VT ermöglicht verlässliches Proofing sowie verteilte Korrektur/Freigabe-Workflows vor dem Druck. Dabei können bereits verfügbare PDF-Viewer verwendet werden, wie etwa der kostenlos erhältliche Adobe Reader.
  • PDF/VT ermöglicht mithilfe von modernem, ICC-basiertem Colormanagement berechenbare Farbe für VDP-Jobs.
  • PDF/VT bietet eine robuste Metadaten-Infrastruktur für ausgeklügelte, dynamische und feinabgestimmte Kontrollen zur Laufzeit während der VDP-Produktion (wie zum Beispiel Filter, regelbasiertes Ausschießen, Audit Trail, Barcodes, Wiederanlauf vom Kontrollpunkt).
  • PDF/VT ist geräteunabhängig und objektorientiert und erlaubt die dynamische Wiederverwendung von VDP-Jobs, sowie die Refaktorisierung oder Neuausrichtung auf verschiedene Druckmaschinen.
  • PDF/VT unterstützt Direkt-Marketing-Kampagnen und verbessert die Handhabung von hochvolumigen Druckausgaben (zum Beispiel Transpromo).

Was kommt als nächstes?

PDF/VT wurde von führenden Hard- und Software-Anbietern aus dem Bereich Print- und Cross-Media-Lösungen öffentlich begrüßt (Link). Die Erwartungen sind groß. Ganzheitliche PDF/VT-Workflows werden zum Ende 2011 erwartet und etwa 2014-15 die kritische Masse erreichen. Zu Beginn des Jahres 2011 bleibt PDF/VT allerdings noch eine unerprobte Technologie. Trendsetter der Branche (Anbieter, Agenturen, Printbuyer, Unternehmen, Druckereiunternehmen) können ein Zeitfenster nutzen, um herauszufinden, wie man das Potenzial von PDF/VT einsetzen kann, um die Qualität, die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität zu verbessern und um die kommende Generation der Transpromo- und Marketing-Programme zu entwickeln.