PDF/UA – die technischen Anforderungen

PDF/UA kompakt

Der PDF/UA-Standard definiert technische Anforderungen an barrierefreie ­PDF-Dokumente, indem er eine Reihe von relevanten PDF-Funktionsbereichen – zum Beispiel Textinhalte, Bilder, Formularfelder, Kommentare, Lesezeichen oder Metadaten – auf der Grundlage von ISO 32000-1 (PDF 1.7) identifiziert und die Art ihrer Verwendung in PDF/UA-konformen Dokumenten spezifiziert. Außer Acht bleiben hierbei Aspekte, die keinen direkten Einfluss auf die Barrierefreiheit haben, etwa Kompressionsverfahren für Bilddaten.

Der erfolgreiche Zugang zu Inhalten in PDF-Dateien ist jedoch nicht allein von konformen Dokumenten abhängig, sondern auch von angepassten PDF-Programmen und entsprechenden assistiven Technologien. Daher stellt PDF/UA klare technische Anforderungen – die wichtigsten hier im Überblick:

Anforderungen an das Dateiformat

  • Inhalte werden differenziert in bedeutungstragende Inhalte einerseits und Artefakte – wie dekorative Seitenbestandteile – andererseits.
  • Bedeutungstragende Inhalte müssen mit semantisch geeigneten Tags versehen sein und mit den anderen Tags des Dokuments den Strukturbaum bilden.
  • Artefakte hingegen sind lediglich durch eine Markierung als solche auszuweisen.
  • Der durch die Tags eines Dokuments repräsentierte Strukturbaum muss die logische Lesereihenfolge widerspiegeln.
  • Es dürfen nur die in PDF 1.7 definierten Standard-Tags verwendet werden; kommen anders lautende Tags zum Einsatz, muss für diese in einem Rollenzuordnungs-Eintrag hinterlegt sein, welchem Standard-Tag sie entsprechen.
  • Informationen dürfen nicht ausschließlich über rein visuelle Mittel wie Kontrast, Farbe oder die Anordnung im Seitenlayout vermittelt werden.
  • Flackernde, blinkende oder blitzende Inhalte – etwa durch JavaScript-gesteuerte Effekte oder als Bestandteil von im PDF eingebetteten Videos – dürfen nicht vorkommen.
  • Ein Dokumententitel muss eingetragen sein, und für das Dokument ist festzulegen, dass der Titel – und nicht etwa der Dateiname – im Fenstertitel eines PDF-Programms erscheint.
  • Die Sprache muss für alle Inhalte hinterlegt sein, Sprachwechsel sind ausdrücklich zu kennzeichnen. ⇐
  • Bildliche Darstellungen – unabhängig davon, ob als Bild-Datenobjekt oder durch andere Seitenobjekte wie Vektor-Objekte oder Gruppen von Objekten repräsentiert – müssen mit einem Alternativtext versehen sein.

Im Zusammenspiel führt die Einhaltung der zahlreichen, sowohl technisch wie auch semantisch geprägten Anforderungen zu barrierefreien PDF/UA-Dokumenten, die auch von Nutzern mit Behinderungen genutzt werden können. Und zwar in vergleichbarer Qualität und Effektivität, wie es für einen Anwender ohne Einschränkungen möglich wäre.

Anforderungen an konforme PDF-Programme

PDF-Programme sind für Menschen mit Behinderungen häufig das Bindeglied zwischen dem zu lesenden PDF-Dokument und der möglicherweise verwendeten assistiven Technologie. In der Praxis bedeutet dies, dass PDF/UA-konforme Programme alle Inhalte und sonstige Informationen aus der eingelesenen PDF-Datei an die assistive Technologie durchreichen bzw. durch assistive Technologie vorgenommene Anweisungen auf das PDF anwenden müssen – sei es zur Navigation, zum Ausfüllen eines Formularfelds oder dem Auslesen von Metadatenfeldern.

  • Die Programme müssen alle durch die Tags und den Strukturbaum hinterlegten Informationen auslesen und zur Verfügung stellen können bzw. den Zugang zum Dokumentinhalt entsprechend ermöglichen.
  • Sämtliche Inhalte sowie die hinterlegten Strukturinformationen sind assistiven Technologien zugänglich zu machen.
  • Das Programm darf die Funktionen von assistiven Technologien nicht einschränken.
  • Die hinterlegte Sprache und der Sprachwechsel im Dokument müssen für assistive Technologien erkennbar sein.
  • Die Navigation im Dokument erfolgt gleichermaßen über die Seitennummerierung, den Strukturbaum und die Lesezeichen im Dokument.
  • Medieninhalte dürfen nicht automatisch abspielen, sondern erst auf eine entsprechende Eingabe des Nutzers hin.

Anforderungen an konforme assistive Technologien

Als assistive Technologie werden technische Hilfsmittel bezeichnet, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen oder erleichtern, Hard- und Software zu nutzen. Personen mit stark eingeschränktem Sehvermögen nutzen zum Beispiel Bildschirmlupen. Bei stark verminderter Beweglichkeit erfolgt die Eingabe oder Navigation oftmals über Joysticks oder Spezialtastaturen.

Bei Dyslexie wird das Lesen eines Dokuments durch Hervorhebung des aktuellen Textteils parallel zum Vorlesen einer Text-zu-Sprache-Funktion unterstützt.

Blinde Anwender nehmen meist eine gewöhnliche Tastatur für Eingabe und Navigation, lassen sich jedoch alle Inhalte durch einen sogenannten Screenreader vorlesen und/oder auf eine Braille-Zeile ausgeben. Damit all diese Hilfsmittel auch bei PDF/UA-Dokumenten funktionieren, müssen sie folgende Anforderungen erfüllen:

  • Sie sind in der Lage, alle Strukturelemente, Attribute und Schlüsselwerte der Spezifikation zu erfassen und dem Nutzer eines PDF-Dokuments darzustellen.
  • Sie erlauben die Navigation sowohl über Seitennummerierung, den Strukturbaum sowie die Lesezeichen im Dokument.
  • Sie ermöglichen, dass sich die Darstellungsgröße einer PDF-Datei durch den Anwender jederzeit ohne Weiteres festlegen und verändern lässt.

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About PDF Association

Founded in 2006 as the PDF/A Competence Center, the PDF Association exists to promote the adoption and implementation of International Standards for PDF technology.

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