Farbe und Output Management – was für ein Theater!

Individualisierter Druck in hoher Geschwindigkeit – in Schwarz-Weiß schon seit Jahren keine echte Herausforderung mehr, aber in Farbe? Drucktechnisch mittlerweile ohne weiteres machbar – aber im Ergebnis noch viel zu oft Glückssache.

Ganz gleich, unter welcher Flagge gesegelt wird – variabler Datendruck, »white paper printing«, Transaktionsdruck oder TransPromo: Immer öfter geht ohne Farbe nichts mehr. Die reine Drucktechnik kann entsprechende Begehrlichkeiten unter ökonomisch sinnvollen  Bedingungen in erstaunlicher Geschwindigkeit bedienen. Die Aufbereitung der Druckdaten hingegen sorgt für mehr Kopfzerbrechen, als mancher Dienstleister offen zugeben mag.

Schon die klassische Druckindustrie – ganz gleich ob Offset, Tiefdruck oder Flexo – musste in den letzten fünfzehn Jahren lernen: Farbig allein ist nicht genug, die Farbe muss auch konsistent und vorhersehbar sein! Keine leichte Aufgabe unter Bedingungen, bei denen jede Druckfarben- und Papiercharge ihr ausgeprägtes Eigenleben führt. Ganz zu schweigen vom Drängen der Kundschaft auf immer günstigeres Papier, das in seinem Farbverhalten ob der allgegenwärtigen, die minderwertige Papierfaser kaschierenden Aufheller immer schlechter zu verarbeiten ist. Und dennoch scheint der klassischen Druckindustrie gelungen zu sein, woran im variablen Datendruck noch getüftelt wird: Von seltenen Ausnahmen abgesehen, ist die farbliche Qualität der Drucksachen mehr als zufriedenstellend. Worin liegt das Geheimnis?

ICC-Farbmanagement als Urmeter

Im Jahre 1993 gegründet von Firmen wie Apple, Microsoft und Adobe, entwickelte das International Color Consortium (ICC) eine Referenzarchitektur für digitale Farbe: Wie kann man in hersteller- und geräteübergreifender Weise Farbwerte präzise angeben und austauschen? Und wie kann man dadurch Übereinstimmung sicherstellen – zwischen (früher) Scanner oder (heute) Digitalkamera, Bildschirm, Kontrollausdrucken und Produktionsdruck auf unterschiedlichen Ausgabesystemen? Und das alles auch noch auf effektive Weise, nämlich im Prinzip durch drei Zahlenwerte pro Farbinformation! Durch die Vorarbeiten des ICC sind RGB-Angaben keine Glückssache mehr, sondern lassen sich durch eine Charakterisierung in Gestalt eines ICC-Profiles verlässlich interpretieren und darstellen.

Es dauerte mehrere Jahre, bis praktikable Hard- und Software-Lösungen verfügbar waren. Inzwischen sind leistungsfähige Farbmessgeräte erschwinglich, und ICC-Profile werden allenthalben eingesetzt. Leider nicht immer sachgemäß.

Die Ursprünge der Grundideen des ICC stammen übrigens von der Kommission der (Bühnen-) Beleuchter (Commission Internationale d l’Éclairage, kurz CIE): Sie erkannten schon früh die Notwendigkeit, auch im Theater für die richtige Anmutung der Farben zu sorgen. Auf die CIE gehen Farbmodelle zurück, die mit lediglich drei Zahlenwerten einen Farbeindruck hinreichend genau und an der menschlichen Wahrnehmung orientiert spezifizieren und auch wieder reproduzieren konnten.

Farbe nach ICC-Regeln – wie ein Fahrradschlauch

Stark vereinfacht funktioniert digitale ICC-Farbe wie ein Fahrradschlauch: Man fährt schnell, sicher und bequem – solange der Schlauch kein Loch hat. Und hier liegt auch im ICC-Farbmanagement die Krux. Das Erfassen, Weitergeben und Verarbeiten von digitalen Farbinformationen muss lückenlos erfolgen. Fehlt ein Farbprofil, oder wurde das falsche Farbprofil zugewiesen, ist der ganze Aufwand schnell vergeblich.

Gelegentlich lässt sich noch etwas retten – wenn beispielsweise die zu druckenden Daten sämtlich auf konsistente Weise daneben liegen, dann lassen sie sich mit entsprechenden Hilfsmitteln wieder auf eine ansehnliche Darstellung biegen. Spätestens aber bei gemischter Anlieferung, wenn beispielsweise zur Porto-Optimierung Daten aus unterschiedlichen Quellen nach Postleitzahlen gemischt werden, gibt es keine Tricks mehr.

Spielregeln nach PDF/X und PDF/VT

Eine verlässliche und durchgängig vorhersehbare Übermittlung von Farbinformationen haben sich auch der PDF/X-Standard und der darauf aufsetzende PDF/VT-Standard auf die Fahnen geschrieben. Beiden Standards gemeinsam ist aber auch hier, dass sie nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten daran halten. Und das fängt bei der Erstellung der Druckdaten an! Die Einstellung “Ich bin Kunde und muss mich deshalb nicht darum kümmern!” mag sich gut anfühlen, geht aber an den Erfordernissen der Realität vorbei. Nur wenn bereits bei der Erstellung von Druckdaten und ihrer Beurteilung an Bildschirm oder Farbdrucker Mindestregeln des Farbmanagements eingehalten werden, hat der Druckdienstleister eine reelle Chance, den Erwartungen des Auftraggebers gerecht zu werden.

Erfreulicherweise ist dies mittlerweile erheblich einfacher geworden. Bereits der kostenlose Adobe Reader stellt PDF-Dateien auch farblich erstaunlich zuverlässig dar, moderne Ausgabesysteme mit RIPs von Adobe oder Harlequin interpretieren, sofern ordnungsgemäß eingerichtet,  korrekt aufbereitete PDFs in farblich konsistenter Weise.

Womit auch schon die Schwachpunkte genannt wurden – wie erstellt man PDF-Daten korrekt, und wie richtet man Ausgabesysteme korrekt ein?

Das X in PDF/X

Das X in PDF/X steht für eXchange, also den (verlässlichen) Austausch von Informationen. In einem PDF sind alle Farbangaben durch ein oder mehrere ICC-Profile charakterisiert, und es ist eine Angabe enthalten, für welche Art von Druckausgabesystem die Daten gedacht sind. Auf Grundlage dieser Informationen kann die später zu erwartende Anmutung der gedruckten Daten am Bildschirm simuliert werden. Wird ein gewöhnliches PDF, das von diesen Vorkehrungen keinen Gebrauch macht, auf dem Bildschirm dargestellt, so muss das PDF-Programm Annahmen über die Art der Farbinformationen machen. Eine Farbe wird dann in durchaus wieder erkennbarer Weise dargestellt – ein Rot wird also nicht auf einmal  grün oder blau – aber es können erhebliche Abweichungen zwischen Programmen oder zum Druckergebnis bestehen.

Erst mit einem Abspeichern als PDF/X lassen sich diese Unwägbarkeiten vermeiden.

Genau so, wie sich der Ersteller und Absender der Druckvorlage an PDF/X-Regeln halten sollte, gilt dies auch für den Druckdienstleister: PDF/X-Druckdaten müssen auch als solche verarbeitet werden. Insbesondere müssen sämtliche Farbangaben in der PDF/X-Druckvorlage auch präzise in die Farbsteuerung des Druckausgabesystems übersetzt werden. Die heute üblichen Ansteuerungssysteme beherrschen dies in der Regel sehr gut, sind aber oftmals nicht korrekt eingerichtet. Dadurch ignorieren sie mitunter wertvolle Angaben in PDF/X-Dateien  und überschreiben diese mit Standardwerten.

Farbe wie in Altona?

Sehr hilfreich ist es hier, geeignete Testdaten zu verarbeiten und diese mit Referenzdrucken vergleichen zu können. Ein solches Testinstrumentarium liegt als “Altona Test Suite” der European Color Initiative vor. Die digitalen Testdaten können kostenlos von www.eci.org heruntergeladen werden. Ein Paket mit Referenzdrucken ist beim Bundesverband Druck und Medien e.V. zu Selbstkosten erhältlich. Selbst ohne Referenzdruck bieten die Testseiten der Altona Test Suite wertvolle Hinweise auf die Zweckmäßigkeit der Konfigurationseinstellungen im Ausgabesystem.
Wie weit ist es noch?

So fragen Kinder auf der lange Reise in den Urlaub, und so fragt sich auch mancher in der Welt des individualisierten Farbdrucks. Dass Farbe auch im digitalen Druck gut funktionieren kann, hat die klassische Druckindustrie bereits bewiesen. Ein Mindestmaß an Kenntnissen und Mitwirkung ist jedoch dort wie hier bei allen Beteiligten vonnöten –und da hat mancher zunächst noch eine Lernkurve vor sich. Immerhin mit der Gewissheit, dass das Lernen mit hochwertiger, vorhersehbarer und wiederholbarer Farbqualität belohnt wird.

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