PDF Association fördert Entwicklung des weltweit ersten PDF/UA-konformen Screenreaders

Berlin. Die PDF Association kooperiert mit der gemeinnützigen Stiftung Access for All, um für die Unterstützung der gemeinnützigen NV Access in Australien zu werben. Ziel ist, den populären Screenreader „NVDA“ so weiterzuentwickeln, dass er als weltweit erste assistierende Technologie mit einem ISO-Standard für Barrierefreiheit konform ist. Damit will der internationale Verband die Akzeptanz von PDF/UA – den künftigen ISO-Standard für barrierefreies PDF – weiter fördern.

Als kostenloser Open-Source-Screenreader stellt NVDA eine assistierende Technologie dar, wie sie bevorzugt von Anwendern mit eingeschränktem Sehvermögen eingesetzt wird. Grundsätzlich ermöglicht eine Screenreader-Software Anwendern einen effektiven Zugang sowohl zu zahlreichen Programmen als auch zu entsprechend konzipierten Webseiten. Allerdings stellte der Zugang zu PDF-Dokumenten in den vergangenen Jahren immer noch eine besondere Herausforderung dar.

Um auf Inhalte von PDF-Dokumenten zugreifen zu können, sind Screenreader und andere assistierende Technologien auf eine PDF-Funktion angewiesen, die als „Inhalts-Auszeichnung“ oder kurz „Tag“ bezeichnet wird. Obwohl das Auszeichnen von PDFs mit solchen Tags seit 2001 möglich ist, waren die Regeln für ein korrekt mit Tags ausgezeichnetes PDF nicht eindeutig.

Um Abhilfe zu schaffen, gründete die AIIM bereits 2004 das PDF/UA-Komitee. Dieses war zunächst in den USA aktiv und dann als ISO-Arbeitsgruppe innerhalb von ISO TC 171. Am Ende dieser Entwicklung steht die ISO-Norm für barrierefreies PDF „ISO 14289-1“, deren Veröffentlichung im dritten Quartal 2012 erfolgen wird. Mit dem klaren Regelwerk, das mit PDF/UA verfügbar sein wird, können Softwarehersteller und Dienstleister nun diese Lücke schließen und auch eine optimale Nutzung barrierefreier PDF-Dokumente erreichen.

Aufbauend auf der zweiten Version der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG 2) des W3C-Komitees, ermöglicht der neue PDF/UA-Standard, dass Programme und PDF-Inhalte so erstellt oder aufbereitet werden, dass mittels assistierender Technologie ein konsistenter und hochwertiger Zugang zu den Inhalten sichergestellt ist.

Unter assistierender Technologie versteht man Vorrichtungen, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, einen Computer zu nutzen. Obgleich je nach den Bedürfnissen der Anwender sehr unterschiedliche Arten von assistierenden Technologien benötigt werden, verlangt der Standard, dass PDF/UA-konforme Technologien die gesamte Spannbreite barrierefreier Funktionen in PDF zugänglich machen müssen. Damit soll dem Anwender – unabhängig von der jeweiligen Ausprägung der eingesetzten assistierenden Technologie – eine umfassende und differenzierte Nutzung von PDF-Dokumenten ermöglicht werden.

Dabei können PDF-Dokumente nicht nur genauso barrierefrei sein wie andere Inhaltsformen, sondern sie haben darüber hinaus einzigartige Stärken, wenn es um Barrierefreiheit geht. Die kommende Unterstützung in NVDA für PDF/UA bedeutet, dass NVDA-Anwendern bei Verwendung von PDF/UA-konformer PDF-Software und PDF/UA-konformen Dokumenten und Formularen erstklassige Navigations-, Lese- und Nutzungsfunktionen zur Verfügung stehen und sie damit in gleichwertiger Weise PDF nutzen können wie Menschen ohne Behinderungen. Die PDF Association, Access for All und NV Access gehen davon aus, dass Hersteller assistierender Technologien und Dokumentensoftware genauso wie Behörden und Unternehmen die Botschaft verstehen und auf Einhaltung des neuen ISO-Standards für barrierefreies PDF drängen werden.

Hintergrund
Die PDF Association ist nicht die erste Organisation, die die Vision von NV Access – das Bereitstellen eines kostenlosen hochwertigen Screenreaders mit umfassendem Funktionsumfang – erkannt hat und fördert. So unterstützt Adobe Systems bereits seit mehreren Jahren die gemeinnützige Organisation und ist auch beratend für sie tätig. Als Mitglied der PDF Association geht Adobe Systems davon aus, dass die zusätzliche Unterstützung von NV Access durch die Initiative der PDF Association die Umsetzung des vollständigen PDF/UA-Supports beschleunigen und zu einem breiteren Interesse an und Engagement für PDF/UA führen wird.

Die gemeinnützige Schweizer Stiftung Access for All hat bereits zuvor ein ähnliches Spendenprojekt gestartet, um die Entwicklung einer PDF/UA-konformen Version des PDF Accessibility Checker (PAC) zu finanzieren. Auch alle Spenden für das „NVDA goes PDF/UA“-Projekt sammelt Access for All und leistet darüber hinaus die Projektkoordination.

Statements
Duff Johnson, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der PDF Association und Leiter des PDF/UA Komitee in den USA seit 2005, sagt: „Als PDF Association freuen wir uns außerordentlich, NV Access dabei zu unterstützen, das Problem der Barrierefreiheit von PDF geradezu auf den Kopf zu stellen. Historisch gesehen waren PDF-Dokumente für Anwender assistierender Technologie bisher die am wenigsten zugänglichen Dokumente. Die Kriterien für ein barrierefreies PDF waren so verwirrend, dass die Entwicklung guter und zahlreicher Lösungen regelrecht verhindert wurde. PDF/UA erleichtert nun die Aufgabe, die Barrierefreiheit für die Verbraucher, Hersteller und Entscheidungsträger sicherzustellen.“

Markus Riesch, Geschäftsführer der Stiftung Access for All, sagt, „Access for All hat PDF/UA als neues Paradigma für den barrierefreien Zugang zu elektronischen Inhalten bereits vor einiger Zeit erkannt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der PDF Association, womit wir hoffen, NVDA so voranzubringen, dass es die erste assistierende Technologie sein wird, die den neuen Standard unterstützt. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass, sobald PDF/UA-konforme Dateien, Programme und assistierende Technologien ineinandergreifen, im Ergebnis sehr viele und unterschiedliche Arten von assistierender Technologie möglich werden. Hierzu gehören beispielsweise Bildschirmlupen, alternative Eingabegräte oder leistungsfähige Text-Reflows.“

Michael Curran, NVDA-Entwickler, sagt: „Wir werden beweisen, wie PDF/UA-konforme Dateien und PDF-Programme zusammen mit auf Standards basierender assistierender Technologien wie NVDA eine herausragende Nutzbarkeit von Dokumenten im PDF-Format ermöglichen. Wenn zwei junge Blinde aus Australien das schaffen, welche Ausrede haben andere dann noch? PDF ist ein großartiges Format für unterschiedliche Anwendungen, aber wir sind der Meinung, dass ein besserer gleichwertiger Zugang zu PDF nur mit PDF/UA machbar ist.“

Über das Projekt
NVDA goes PDF/UA ist eine Initiative der PDF Association. Ein Beirat aus finanziellen und organisatorischen Unterstützern, bestehend aus Adobe Systems, callas software GmbH und NetCentric Technologies, leitet das Projekt seitens der PDF Association und stimmt sich fortlaufend mit dem PDF/UA Competence Center der PDF Association ab.

Über NV Access
NV Access wurde Anfang 2007 gegründet, um sich den stetig wachsenden Notwendigkeiten der Unterstützung für das NVDA-Projekt zu widmen. NV Access entwickelt und pflegt die freie und offene Software, die die barrierefreie Nutzung von Technologie für Blinde und Sehbehinderte ermöglicht. Als gemeinnützige Organisation wird die Arbeit von NV Access vorwiegend aus Förderprogrammen und Spenden finanziert. http://www.nvaccess.org

Über Access for All
Gegründet im Jahr 2000, ist das Ziel der gemeinnützigen Schweizer Stiftung, Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Politik für die Bedürfnisse von behinderten Menschen im Bereich der Technik und der elektronischen Informationsvermittlung zu sensibilisieren und Entwicklungen und Trends im Technologiebereich zu verfolgen sowie die Zusammenarbeit mit Behinderten- und Fachorganisationen in der Schweiz und im Ausland zu unterhalten. http://www.access-for-all.ch

Für weitere Informationen zum „NVDA goes PDF/UA“-Projekt stehen zur Verfügung:

In Nordamerika:

Duff Johnson
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der PDF Association
+1 617 283 4226
duff.johnson@pdfa.org

In Europa:

Olaf Drümmer
Vorstandsvorsitzender der PDF Association
+49 30 4439 0310
olaf.druemmer@pdfa.org

Über die PDF Association
Die PDF Association verfolgt das Ziel, PDF-Anwendungen für digitale Dokumente zu fördern, die auf offenen Standards basieren. Dazu setzt sich der internationale Verband für eine aktive Wissensvermittlung und den Austausch von Know-how und Erfahrungen für alle Interessengruppen weltweit ein. Derzeit sind über 100 Unternehmen und zahlreiche Experten aus mehr als 20 Ländern Mitglied der PDF Association.
Der Vorstand der PDF Association setzt sich aus Führungskräften der Unternehmen callas software GmbH, Compart AG, Crawford Technologies Inc., intarsys consulting GmbH, LuraTech Europe GmbH und NetCentric US zusammen. Vorstandsvorsitzender ist Olaf Drümmer, Geschäftsführer der callas software GmbH. Duff Johnson, President von NetCentric US, ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

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About PDF Association

Founded in 2006 as the PDF/A Competence Center, the PDF Association exists to promote the adoption and implementation of International Standards for PDF technology.