Version 2 der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) in Kraft

Am 22. September 2011 trat die zweite Fassung der  Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) in Kraft. Damit wird für Bundesbehörden geregelt, wie Internet- und Intranet-Angebote beschaffen sein müssen, um als ausreichend barrierearm zu gelten. In wesentlichen Teilen basiert die BITV 2.0 auf WCAG 2.0 (Web Content Accessibility Guidelines 2.0) – dem Regelwerk des W3C für barrierefreies Internet. In einigen Punkten wurde von WCAG substanziell abgewichen – was einige bedauern, da Deutschland so ohne erkennbare große Not einen Sonderweg beschreitet. In anderen Ländern wurde WCAG 2.0 praktisch unverändert aufgegriffen.

Im Detail offen bleibt in der BITV 2.0, wie PDF-Dateien beschaffen sein müssen, die von Bundesbehörden per Internet oder Intranet angeboten werden. Es ist zu erwarten, dass in absehbarer Zeit der für Anfang 2012 erwartete PDF/UA-Standard die nötige Ergänzung bietet. PDF/UA wird im Kreis des zuständigen ISO-Komitees als “WCAG für PDF” positioniert. Am 22. September 2011 endete auch die abschließende ISO-Abstimmung zu PDF/UA – Zufall oder gutes Omen? Auf der ISO-Sitzung Anfang Dezember 2011 in Bellevue bei Seattle (USA) werden die letzten eingegangenen Kommentare zu PDF/UA bearbeitet, und anschließend wird der Standard zur Veröffentlichung an das Zentralsekretariat der ISO in Genf übermittelt. Neben Microsoft und Adobe waren auch kleinere Softwarehersteller wie NetCentric und callas software an der Erarbeitung von PDF/UA beteiligt – allen wird nachgesagt, dass sie bereits geraume Zeit an entsprechenden Funktionen für die nächsten Versionen ihrer Produkte arbeiten. Insofern könnte es im Jahr 2012 spannende Neuerungen in Sachen barrierefriees PDF geben.

Gute Überblicksinformationen und Einschätzungen zur BITV 2.0 sind zu finden unter:

Auch auf EU-Ebene gibt es Aktivitäten, das Thema Barrierefreiheit in der Informations- und Kommunikationstechnik voranzutreiben – beispielsweise als Mandat 376, dessen Phase 2 Anfang 2011 begonnen hat. In diesem Zusammenhang sollen die Normungsgremien CEN, CENELEC und ETSI entsprechende Normen erarbeiten. Inwieweit dies eine deutsche BITV 2.0 überholt, wird sich inhaltlich und formal erweisen müssen. Obwohl ein Zeitraum von 18 Monaten für die Erarbeitung vorgegeben ist, haben sich EU-Gremien nicht immer als entsprechend schnell erwiesen.

About Olaf Drümmer

Olaf Drümmer is founder and managing director of callas software, a Berlin/Germany based company specializing in PDF analysis and processing. Having first been involved in the development of PDF related standard in 1999, he has since actively participated in the development of the PDF/X (ISO 15930), PDF/A (ISO 19005), PDF/E (ISO 24517), PDF/UA (ISO 14289) and PPML/VDX resp. PDF/VT (ISO 16612) standards series, as well as the PDF standard itself (ISO 32000). callas software was among the first vendors to offer support for PDF/X and PDF/A. In addition, Olaf Drümmer is founder and managing director of axaio software, a Berlin/Germany based company specializing in development of software extensions for Adobe InDesign, Adobe InCopy, Adobe Illustrator, QuarkXPress, QuarkCopyDesk, Quark Publishing System (QPS), WoodWing Enterprise and vjoon K4. Furthermore, Olaf Drümmer is Chairman of the European Color Initiative (ECI) (www.eci.org).

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